Erste Woche im Dezember. Die ersten Glühweinstände haben geöffnet und tauchen mit ihren Lichterketten die Traunsteiner Altstadt in ein festliches Licht. Ein kleines Stück hinter dem Stadtplatz befindet sich die „Walzmühle“. In den oberen Stockwerken eine helle einladende Büroatmosphäre, ein Stockwerk höher gemütliche Sofas und Teekisten vor dem Gemälde eines Steinbocks in leuchtend bunten Farben.

Mir gegenüber sitzt Armin Wagner. Ein gestandener Bayer mit Lockenmähne und breitem Akzent. Geboren und aufgewachsen in Ruhpolding. Wo er vor über 30 Jahren gemeinsam mit seinem Vater Bio-Holztüren entwickelte und europaweit vertrieb. Im Herbst 2018, nur wenige Wochen vor meinem Besuch, wird sein heutiges Unternehmen, die Bioteaque, mit dem „Chiemgauer Panther“ ausgezeichnet. Ein regionaler Wirtschaftspreis für Unternehmen, die mit digitalem Handel herausragend erfolgreich sind.

Wie schon damals bei der Holztür sind die Produkte, die Armin heute erfolgreich herstellt und vertreibt konsequent zu 100% Bio. In den drei Jahrzehnten dazwischen kultivierte Wagner seinen Unternehmergeist und sein Gespür für die Wünsche der Kunden. Er ist einer dieser Menschen, denen man bereits beim ersten Wort Handschlagqualität attestiert. Ein Geschäftsmann mit viel Herzblut. Es ist nicht überraschend, dass er diese Leidenschaft auch als die wichtigste Vorraussetzung ansieht um lebenslang Unternehmer zu sein. Sein Unternehmergeist sei angeboren, sagt er, der Erfolg hingegen komme aus der Konsequenz, mit der er jeden Tag aufs Neue ans Werk geht. Vor über zehn Jahren ereilte ihn der Moment, der diesem Podcast seinen Namen gibt. Armin brachte den Mut auf das wachsende Verlangen der Kunden nach biologisch erzeugten Produkten auf Grundlage seiner persönlichen Werte zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell zu entwickeln.

Und so entstand aus einer Idee, die er gemeinsam mit einem Freund beim Segeln auf dem Chiemsee hatte, und die sie anschließend gemeinsam bereits im Bereich konventionell erzeugter Tees in die Tat umsetzten, das Unternehmen „Bioteaque“. Die Bioteaque mischt aus hochwertigen Bio-Rohstoffen außergewöhnliche Tee-Kreationen. Mit knapp 60 Mitarbeitern, die tatkräftig bei der Sache sind bringt Armin Tee-Sorten mit so klingenden Namen wie „Scheene Leni“ oder „Freche Vroni“ an die Frau und den Mann. Seine Abnehmer sind vorwiegend Top-Hotels im deutschsprachigen Raum. Gleichzeitig sorgt der Direktvertrieb an Endverbraucher über den eigenen Online-Shop seit einigen Jahren kontinuierlich für zweistellige Zuwachsraten.

Als Mensch der tief in der Region verwurzelt ist und die landschaftliche Schönheit des Chiemgaus erhalten möchte gehört Bio für Armin zur Selbstverständlichkeit. Dass heute durch alle Bevölkerungsschichten hinweg eher online eingekauft wird als im lokalen Einzelhandel, ist ihm persönlich gar nicht recht. Nichts desto trotz hat er die Digitalisierung von Anfang an als Chance verstanden und für sich genutzt.

Mit Bioteaque ist ihm ein Erfolg geglückt, der von außen betrachtet durchaus auf seinen Riecher für gute Geschäfte zurückgeführt werden könnte. Tatsächlich ist es am Ende aber eher Armin als (Charakter-)Kopf der Unternehmung, und seine glaubhafte „ganz oder gar nicht“ Einstellung, aufgrund derer eine Bio-Tee-Marke mit bayerischer Note von einer kurios klingenden Idee zu einem absoluten Erfolgsbeispiel für das Bio von Morgen werden konnte.

Podcast Folge am Ende des Artikels, oder direkt hier auf SoundCloud anhören.

Verwendung des Titelbilds mit freundlicher Genehmigung von Bioteaque.