Die Chiemgauer Naturfleisch GmbH wurde vor über 25 Jahren von Richard Müller, einem Bio-Pionier und Wegbereiter für die Vermarktung von biodynamisch erzeugten Lebensmitteln ins Leben gerufen. Tom Reiter war Mitarbeiter der ersten Stunde und lenkt heute die Geschicke des Unternehmens als Geschäftsführer. Mit ihm habe ich mich in Trostberg an der Alz, wo die Chiemgauer Naturfleisch ihren Sitz in ummittelbarer Nähe zu einem familiengeführten Fleischverarbeitungsbetrieb hat, zu einem Gespräch getroffen.

Es zeigte sich, dass die bewusst gewählte Nähe zum Hersteller der Produkte eng mit der Philosophie des Unternehmens verknüpft ist. Regionalität, kurze Wege und persönliche Beziehungen sind laut Reiter die Schlüssel zu einem glaubwürdigen und ehrlichen Bio. Die Marke schöpft ihr ganzes Potenzial aus der untrennbaren Verbindung des Unternehmens zur Region Chiemgau und den hier ansässigen Bio-Landwirten.

Reiter, der selbst einen landwirtschaftlichen Hintergrund hat (Studium zum Agrar-Ingenieur FH), weiß um die Bedeutung guter Absatzkanäle für seine Lieferanten. Die Chiemgauer Naturfleisch sieht sich daher zurecht in der Tradition einer landwirtschaftlichen Genossenschaft, die für ihre Mitglieder als gemeinsame Stimme hin zum Händler und zu den Verbrauchern spricht. Speziell der Verbraucher hat, was das Thema Biofleisch betrifft, viel dazu gelernt, sagt Tom Reiter. Grundsatzdiskussionen über die tatsächliche Notwendigkeit von Fleisch als Lebensmittel sind weit weniger oft zu führen als in den Anfängen der Bio-Bewegung. Was auch daran liegen mag, dass sich Bio längst auch bei Fleisch- und Wurstwaren als eigenes Segment etabliert hat.

Die Nachfrage ist eben zweifelsohne da. Andererseits birgt eben diese Selbstverständlichkeit, dass es nun überall in unbegrenzter Menge biologisch erzeugte Güter geben soll, auch neue Herausforderungen für die Pioniere von einst. Reiter ist deshalb fest davon überzeugt, dass es weiterhin viel zu tun gibt für ihn und seine Mitstreiter. Und dass man die gewachsene Nachfrage nach den Produkten seines Unternehmens als Bestätigung dafür sehen kann, dass qualitativ hochwertiges Bio nicht allein durch das erfüllen von Produktionsstandards möglich wird. Er rückt bei seinem Tun nämlich vor allem den Menschen in den Mittelpunkt. Den Landwirt, der sich entspannter auf die Pflege seiner Tiere konzentrieren kann, wenn auch sichergestellt ist, dass er sie bei einem regionalen Betrieb in die Schlachtung geben kann.

Den Konsumenten, der beim empfindlichen Thema „Fleisch“ stärker vertrauen kann, wenn transparent und nachvollziehbar ist, woher es kommt und wie es verarbeitet wurde. Den Händler, der sich bewusst für Qualität entscheiden kann und regionale Waren ins Angebotsregal stellt. Und schließlich Tom Reiter selbst mit seinen 70 Mitarbeiter/innen, die täglich mit der Gewissheit ans Werk gehen, dass Fleisch ein kostbares Gut ist, das sie auf sehr einzigartige Weise verarbeiten und veredeln.