Podcast Folge am Ende der Einleitung, oder direkt hier auf SoundCloud anhören.

Auf dem elterlichen Hof kam ‚Hans“ Lecker schon früh mit bio-dynamischer Landwirtschaft in Berührung. Den Entschluss, einen Beruf in der Landwirtschaft zu ergreifen fällte der promovierte Agrarwissenschaftler deshalb bereits in jungen Jahren. Und dennoch ist er heute sehr viel mehr als „nur“ Landwirt und Erzeuger. Während sein Vater und sein Bruder auf ihren Höfen vor allem Milchwirtschaft betreiben, ist der namensgebende „Biohof Lecker“ nahe Laufen (in Oberbayern) die Drehscheibe für eine Vielzahl an hochwertigen Bio-Lebensmitteln. An die 700 Lieferkisten werden dort wöchentlich verpackt und bis weit über das Berchtesgadener Land und den Chiemgau hinaus an die qualitätsbewussten Kund*innen geliefert.

Auch im nahegelegenen Salzburg und dem angrenzenden Oberösterreich sind die Leckers und ihre grünen Kisten gerne gesehen. Ein großer Teil des darin angebotenen Gemüses stammt ohnehin aus österreichischer Erzeugung.

Auf Hans eigenem demeter Hof, der eigentlich „Urbanhof“ heißt, dreht sich der landwirtschaftliche Anteil neben dem Liefergeschäft fast ausschließlich um die ca. 500 Freiland-Hühner, die gut bewacht von ihren stolzen Hähnen ihren Auslauf sichtlich genießen. Auf den angrenzenden Flächen bauen Hans und seine Frau Christine Gemüse, Mais und die Urgetreide-Sorte „Laufender Landweizen“ an. Für das Paar war der Schritt in die Direktvermarktung via Lieferkiste der Anfang eines selbstbestimmten Wirtschaftens innerhalb einer kleinstrukturierten Landwirtschaft mit regionalem Fokus.

Hans ist mit den Kapazitäten der drei Biohöfe mehr als zufrieden, möchte aber in der Zukunft noch mehr Menschen für regionale Biolebensmittel begeistern. Er versteht seinen Absatzkanal als Plattform, um künftig noch mehr kleinen und großen Erzeugern die Möglichkeit zu geben ihre Qualität an den Mann bzw. die Frau bringen zu können. Hans Motivation ist die Versorgung der Menschen in der Region mit leistbaren Lebensmitteln aus bio-dynamischer Herstellung. Und dafür möchte er auch in den nächsten Jahren einstehen.

Ich habe mich sehr gefreut, dass Hans sich die Zeit für unser Gespräch und einen kleinen Hofrundgang nahm. Ich besuchte ihn an einem Tag, den man gut und gerne als „windstill“ bezeichnen würde. Eine Fehleinschätzung wie sich zeigte: Mein Mikrofon zeichnete selbst den kleinsten Luftzug hörbar auf, weshalb ich nicht umhinkam das Interview an der einen oder anderen Stelle zu schneiden. Letztlich kommt es auch im finalen Ergebnis immer wieder zu Überlagerungen des gesprochenen mit Windgeräuschen. Nachdem Hans Äußerungen viel Richtiges und Wichtiges enthalten entschloss ich mich dennoch dazu, die Audio-Spur in Form dieser 12 Bio-macht-Mut Folge zu veröffentlichen. Ihr könnt sie euch direkt bei SoundCloud anhören, oder weiter unten als transkribiertes Gespräch Wort für Wort nachlesen.

 

 

Das Interview zum Nachlesen

Wir sind heute in der Nähe von Laufen auf dem Biohof Lecker. Der Biohof Lecker ist eigentlich nicht nur ein Hof – es sind mehrere Höfe. Mir gegenüber sitzt der Hans, der Chef bzw. Leiter dieses Unternehmens. Und vorneweg drängt sich natürlich die Frage auf: Hans – wenn man jetzt natürlich den Nachnamen Lecker hat – ist es dann nicht Vorsehung, dass man irgendetwas mit Lebensmitteln macht?

Hans Lecker: [lacht] Durchaus. Lecker ist zwar bei uns in der Region ein nicht nur ausschließlich positiv konnotierter Begriff – denn in Bayern sagt man ja „guad“. Bei „Lecker“ muss man dann doch des Öfteren erklären, dass es bei uns zum Unternehmensnamen dazugehört, aber es passt wie die Faust aufs Auge.

Genau, den Lecker ist dein Familienname, den du ins Unternehmen eingebracht hast. Zum Unternehmen gehören noch deine Familie – deine Frau – und aktuell um die 30 Mitarbeiter.

Euer Unternehmen ist daher nicht nur ein landwirtschaftliches/erzeugendes, sondern ihr macht auch viel im Bereich Vermarktung. Das geht bei euch von Anfang an Hand in Hand. Von welcher Verteilung sprechen wir hier? Also in wie weit würdest du dich als Landwirt bezeichnen, und inwieweit als Vermarkter?

Hans Lecker: Also meine Seele ist Landwirt. ich wollte immer schon in die Landwirtschaft und habe auch dann ein Standbein suchen müssen, um mit einer klein strukturierten Landwirtschaft in dem „System Landwirtschaft“ aktiv dabei zu sein. Natürlich – für mich selbst ist die Vermarktung jetzt dann zum überwiegenden Geschäftsfeld geworden. Ich arbeite auch stark mit meinen Eltern und meinem Bruder zusammen. Also wir haben zusammen eine GbR.

Das sind die anderen beiden Höfe, von denen wir schon gesprochen haben, richtig?

Hans Lecker: Ja, genau.  Und für die ist die Landwirtschaft noch im Fokus. Wir haben die Aufgabenbereiche verteilt. Es ist bei mir mehr die Vermarktung angesiedelt und für den Rest meiner Familie ist die Landwirtschaft immer noch das Hauptstandbein.

Ihr seid ein Demeter-Betrieb. Also Bio höchster Güte, wenn man das so sagen will. Was wäre deine subjektive Einschätzung – inwieweit muss sich heute ein Bio/Demeter Landwirt auch mit der Vermarktung auseinandersetzen? Wie wichtig ist das mittlerweile, um überhaupt in dieser Art und Weise wirtschaften zu können?

Hans Lecker: Einem Landwirt ist prinzipiell die Vermarktung nicht unbedingt in die Wiege gelegt. In der Regel arbeitet man als Landwirt und vermarktet an große Abnehmer. Das ist so der normale Weg für 90% der Landwirte. Man verkauft seine Produkte entweder an eine Molkerei, oder an ein Lagerhaus. Mit der Folge, dass man sehr stark von dem einem Abnehmer bzw. von den paar wenigen Abnehmern, die man hat, abhängig ist. Wir wollten uns ein bisschen unabhängig davon machen und deswegen die Vermarktung selber in die Hand nehmen. Das ist vor allem für die Landwirte eine Option, die kleiner strukturiert sind und sich dadurch die Wertschöpfung im Betrieb halten, die sonst außerhalb des Betriebes wäre. Und dadurch, dass so eine klein strukturierte Landwirtschaft, wie wir sie hier im Betrieb haben, und die hier in der Region üblich ist, überhaupt erst zukunftsfähig sind. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft treibt seine Blüten – alles wird größer: immer noch mehr Fläche, immer noch mehr Tiere, und diesem Trend wollen wir gegenüberstehen und zeigen: es geht auch in Klein. Und es funktioniert eben nur, wenn man dann die Vermarktung in der Region ausbaut und forciert.

Ja, jetzt hast du dadurch, dass ihr direkt vermarktet auch einen direkten Weg zum Endkonsumenten/zur Endkonsumentin. Wie nimmst du da eure Rolle wahr? Seid ihr in gewisser Weise auch zu einem Aufklärer geworden für das, was Bio/Demeter Qualität bedeutet?

Hans Lecker: Unbedingt. Wir sehen uns eigentlich sehr stark als die, die versuchen, die Menschen aufzuklären über die Vorteile Verbands-Bio einzukaufen – nicht nur EU-Bio. Was hat es für einen Vorteil regional und saisonal einzukaufen? Was hat es überhaupt für einen Vorteil sich über die gesamten Zusammenhänge bewusst zu werden? Zu Nachhaltigkeit gehört ja mehr, als „nur Bio“ Es gehört ja auch dazu, wie die Menschenrechte eingehalten werden – Stichwort Fairer Handel – wie nachhaltig ist man im Bereich Klimaschutz – Stichwort CO2 Fußabdruck – in all diesen Bereichen versuchen wir, uns als möglichst nachhaltiges Unternehmen aufzustellen, sodass unsere Wirtschaftsweise dann ein Beispiel sein kann, wie man auch in Zukunft wirtschaften kann, sodass unseren Nachkommen auch wieder eine lebenswerte Umwelt übergeben wird.

Jetzt habt ihr mit euren 3 Höfen insgesamt und dem Sortiment, das ihr bietet, eine gewisse Größe erreicht. Das heißt „klein strukturiert“ ist objektiv zwar immer noch richtig, aber der Begriff täuscht vielleicht, weil das, was du täglich an Herausforderungen und Problemen hast ist mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen. Auf der anderen Seite erwähntest du bereits die „noch größeren“ Betriebe. Also jene, die fast schon industrielle Landwirtschaft betreiben. Wo ist da für dich die Grenze?

Hans Lecker: Als Vermarkter sehe ich mich einer stetig, moderat wachsenden Nachfrage gegenüber, die jetzt durch die Corona-Krise momentan vielleicht auch mal sprunghaft in die Höhe geht – aber es ist ein moderates Wachstum und das passt eigentlich ganz gut. Wobei da mein Ziel ist, nicht nur unsere Produkte zu vermarkten, sondern auch unseren Zugang zu den Kunden zu nutzen, auch anderen Direktvermarktern die Möglichkeit zu geben, ihre Produkte abzusetzen. Also, einen weiteren Vertriebsweg zu finden. Die Vermarktung ist sehr zeitintensiv für viele. Man kann sich z. B. auf einen Markt stellen, aber das muss man auch neben seiner normalen Arbeitszeit leisten können. Und eben solchen kleinen Anbietern wollen wir mit unserer Plattform die Möglichkeit geben, einen größeren Kundenkreis zu erschließen. Und da ist es tatsächlich so, dass je mehr Kunden das wahrnehmen, desto spannender sind wir auch für die Regionalvermarkter wiederum als Partner. Daher sehe ich da noch Potential in der Ökokisten-Lieferung. Im Bereich Landwirtschaft haben wir eigentlich unsere Größe erreicht, die wir gut bewirtschaften können. Da wird sich jetzt wahrscheinlich an der Größe nicht viel ändern. Das passt so.

Du hast es gerade angesprochen – Die Krise rund um das Covid19 Virus hat natürlich dazu geführt, dass es aktuell– und so geht es ja vielen Anbietern für Lieferkisten und vielen Direktvermarktern – zu einem Nachfrageplus kam, und die Konsumenten sich verstärkt bei regionalen Anbietern versorgen wollen. Wie habt ihr das wahrgenommen – wie hat sich das bei euch ausgewirkt?

Hans Lecker: Ja, alle Lieferservices haben da einen Boom erlebt. Nachfragen bis zu 100% mehr. Wir konnten das am Anfang auch gar nicht bedienen. Wir wollten den Menschen trotzdem die Möglichkeit geben, auch vor allem gefährdeten Personengruppen wie ältere Menschen, dass sie mit hochwertigen Lebensmitteln versorgt werden und haben uns darauf eingestellt, die Nachfrage möglichst gut zu bedienen. Wir haben neue Mitarbeiter eingestellt und neue Autos angeschafft und das dann schon hingekriegt. Natürlich ist das dann ein kleines  bisschen auch ein Strohfeuer. Es kommen dann nicht nur überzeugte Biokunden dazu, sondern auch eher Angsteinkäufer, aber trotzdem hat es das ein bisschen bestärkt, dahin, dass den Kunden eher bewusst wird WO sie einkaufen. Also, ich hab nicht damit gerechnet, dass so viele Neukunden hängenbleiben. Das bestärkt uns darin, dass  die Nachfrage nach nachhaltig erzeugten und angebauten Produkten da ist. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist zwar etwas platt, aber trotzdem trifft es das, dass man das, was man macht auch erreichen kann, ohne auf Kosten der Natur zu erwirtschaften.

Das heißt euch im Speziellen und so wie ich es raus höre, auch der ganzen Branche, hat Corona in diesem Fall wirklich Auftrieb verliehen? Es entstand eine gewisse Popularität, die vielleicht vorher nicht zu erwarten war – zumindest nicht von heute auf morgen. Insofern hat dies dazu geführt, dass die Biobranche – am Ende vielleicht auch zurecht–sogar aus der Krise profitieren konnte?

Denn der Lebensmittelhandel als solcher hat ja definitiv profitiert, aber die Biobranche hat eben im Speziellen gezeigt, was hier richtig gemacht wird und was das am Ende eben auch für Auswirkungen hat, wenn man auf diese nachhaltige Art und Weise wirtschaftet.

Jetzt mal als hypothetische Frage, mit der man sich langsam auseinandersetzen muss nach dieser Erfahrung: was wäre denn jetzt  eine Krise, die dich als Unternehmer anders treffen würde? Was wäre ein worst-case Szenario, in dem plötzlich alles ganz anders aussehen würde?

Hans Lecker: Im Moment ist es so, dass Verbraucher Bio sehr wertschätzen. Vor allem Demeter ist jetzt als nachhaltigste Marke gekürt worden. Das gibt uns natürlich einen unglaublichen Vertrauensvorschuss. Wenn wir es nicht schaffen, das Vertrauen zu bestätigen – sollte da irgendeine Krise auftreten, die wir vielleicht auch gar nicht verursacht haben – in die wir durch einen blöden Zufall reinrutschen, was auch immer. Weil vielleicht im Lagerhaus eine Kontamination des zuvor gelagerten Getreides, was auch immer auftritt und das das Vertrauen der Menschen in die Bio-Produkte allgemein reduziert hat, könnte das für uns negativ sein. Wobei die Menschen das auch wieder reflektieren und da vielleicht ein bisschen den regionalen Vermarktern mehr Vertrauen entgegenbringen als den großen Marken. Ein anderes vorstellbares Thema wäre vielleicht eine stark reduzierte Wirtschaftskraft – länger anhaltend. Dann könnte es sein, dass die Menschen am falschen Ende sparen – also jetzt nicht unbedingt am Auto oder am Urlaub, sondern an den Lebensmitteln. Das könnte natürlich auch eine Krise sein, aus der man nicht unbeschadet herauskommt. Aber so langfristig gesehen, seit dem Anfang der Bio-Zeiten wächst auch die Bio-Branche kontinuierlich. Zum Teil nicht immer nachhaltig, weil es Bio-Booms gibt, wo schnell mal große Erzeuger einsteigen, die den Markt aber wieder verlassen, weil es wirtschaftlich doch wieder uninteressant für sie wurde. Aber prinzipiell ist das ein lang anhaltender Trend , der sich fortsetzen wird und muss.

Du hast gerade das Vertrauen angesprochen. Das ist auch euer höchstes Gut. Das Vertrauen, das die Verbraucher dann euch und euren Lebensmitteln entgegenbringen. Und da gibt oftmals die Konventionellen, die sich dieses Vertrauen auch versuchen zu erarbeiten, dies aber nicht immer oder nicht in jedem Fall mit glaubhaftem Bio machen können. Was diese Akteure daher oft tun ist, auf das „Pferd“ Regionalität setzen. Bei dir ist im Grunde beides kombiniert – Bio und Regionalität. Sogar Demeter-Bio und Regionalität. Kannst du ungefähr eine Aussage treffen, welches der beiden Themen bei deinen Kund*innen stärker zieht?

Hans Lecker: Ein ganz ein schlimmes Schlagwort, das man schön öfter gehört hat lautet: „Regional ist das neue Bio“. Das zeugt für mich von totalem Unwissen über die Zusammenhänge, weil Regionalität maximal eine Aussage trifft über eine willkürliche Entfernung. Denn es gibt keine Definition bezüglich der Entfernung. Zudem trifft der Begriff überhaupt keine Aussage bezüglich der Produktqualität. Deshalb ist „Regionalität“ für mich schwierig und trotzdem ist es für uns ein ganz wichtiges Thema, die regionalen Wirtschaftskreisläufe den Menschen nahezubringen. Ein Beispiel: Wir bauen „Laufener Landweizen“ an, der in der Region vermahlen wird und in der Region verbacken wird und von uns wieder angeboten wird. Also kleinräumiger kann man einen Wirtschaftskreislauf eigentlich gar nicht sehen.

Da kurz eingehakt: „Laufener Landweizen“ ist eine Art Markenbegriff, richtig? Er bezeichnet es eine Sorte, die tatsächlich ursprünglich aus der Region hier kommt oder in der Region früher angebaut wurde, nun wiederbelebt wurde und von einigen Landwirten, Unternehme und Brauereien jetzt auch wieder verarbeitet wird. Also es ist wirklich etwas, was authentisch aus der Region kommt?

Hans Lecker: Ja. Also es passt perfekt in unsere Stadtgemeinde. Laufen und der „Laufener Landweizen“ – regionaler könnte ein Produkt gar nicht sein.

Ja, ich glaub, da sind wir uns dann völlig einig, dass Bio UND regional dann am Ende die Beste und erstrebenswerteste Kombination ist! Wenn man den Maßstab nun noch einmal etwas größer aufzieht und sagt „naja, jetzt gehen wir doch wieder ins überregionale – ins überregionale Bio. Natürlich ist dann weiterhin immer dieser Anspruch im Raum, dass 100% Bio das Ziel sei. Und da stelle ich mir die Frage: ist es das Ziel? Kann es das Ziel sein und glaubst du, dass 100% Bio-Versorgung der Bevölkerung überhaupt möglich ist. Also, speziell jetzt hier in Deutschland und Mitteleuropa?

Hans Lecker: Ja. Definitiv. Vor allem, wenn man es langfristig betrachtet. Langfristig und global betrachtet. Die deutsche Landwirtschaft ist sehr regional ausgerichtet – Konventionell und Bio. Wenn wir in Zukunft unsere Böden weiter bewirtschaften wollen, ohne dass durch Wind und Wasser Bodenerosion stattfindet, führt an Bio langfristig kein Weg vorbei. Vor allem, weil in der Biologischen Landwirtschaft auch Humus mit im Boden gebunden ist und auch noch mit aufgebaut wird. Der Humus besteht wiederum aus Kohlenstoff, also sprich CO2, den die Böden aus der Luft aufnehmen und damit auch ein wichtiger Faktor sind gegen den Klimawandel.  Das ist zum einen, dass sie es aufnehmen, zum anderen ist auf Bio-Flächen der Energiebedarf sehr viel geringer, weil durch den fehlenden Stickstoffdüngereinsatz, der mit sehr viel Energie zu produzieren ist, der Energieaufwand pro Kilo des erzeugten Lebensmittels für Bio natürlich sehr viel geringer ist. Und darum kann an Bio eigentlich kein Weg vorbeigehen. Natürlich sind die Flächenerträge niedriger – keine Frage. Auf konventionellen Flächen kann man problemlos das doppelte erzeugen. Aber dass sich auch die Einstellung der Menschen ändert – Stichwort „weniger Fleisch essen“, „weniger Lebensmittelverluste“. Das heißt, Pflanzen komplett zu verwerten – auch 2. Wahl Artikel zu essen, tierische Lebensmittel komplett zu verwerten – also vom Schwanz bis zur Nasenspitze, beim Schwein zum Beispiel, oder bei den pflanzlichen Produkten die Radieschenblätter auch mitzuessen. So kann man auch mit biologischen Wirtschaftsweisen die Menschheit versorgen.

Damit hast du jetzt sehr faktisch und auch sehr einleuchtend begründet. Wären das auch deine Argumente, wenn du jemanden überzeugen möchtest, der als Junglandwirt vielleicht gerade vor der Entscheidung steht einen Hof zu übernehmen und überlegt, ob er umstellen möchte auf Bio. Wie würdest du den davon überzeugen bzw. was würdest du dem als Ratschlag mit auf den Weg geben – jemandem, der jetzt gerade noch am Anfang seiner Karriere als Landwirt*in oder vielleicht sogar als Direktvermarkter*in steht?

„Lebe deine Werte“. Nur dadurch ist man authentisch.

Hans Lecker: „Lebe deine Werte“. Nur dadurch ist man authentisch. Und wer authentisch ist gewinnt Vertrauen bei seinen Mitmenschen und nur dadurch, dass man hinter dem steht, was man machen will, ist man auch erfolgreich. Und darum: jeder, der hinter Bio steht und es machen will mit Überzeugung, der findet seinen Weg.

Wie war es für dich? Magst du noch mal deinen Weg beschreiben, wie es bei dir stattgefunden hat? Also angefangen von deiner Zeit auf dem elterlichen Betrieb dann bis zu dem Punkt wo du jetzt stehst, als erfolgreicher Bio-Unternehmer, Vermarkter und Landwirt? Wie hat sich dein persönlicher Weg da so abgezeichnet? 

Hans Lecker: Mein Vater hat schon umgestellt auf biologisch-dynamische Erzeugung vor mittlerweile gut 26 Jahren. Genau – darum bin ich der Bio-Schiene irgendwo nur noch treu geblieben.

Du hast vorhin ein bisschen beschrieben, dass erst über dich dann bzw. über deine Tätigkeit auf diesem Hof auch die Betriebe deiner anderen zur Direktvermarktung kamen. Das heißt vorher gab es auf eurem Hof wahrscheinlich wenig Direktvermarktung? Das kam dann primär über dich? Das stelle ich mir als etwas vor, was für dich in gewisser Art und Weise „Neuland“ war. Also etwas, wo du dich in ein Feld hineinbegeben hast, von dem du gesagt hast, das kann ich so ja noch nicht  kennen und habe es nicht meine ganze Jungendzeit schon miterlebt, sondern muss es mir als eigenes neues Feld erst erarbeitet und erschließen.

Hans Lecker: Tatsächlich. Wir sind zwei Brüder – nur ist für beide ein Auskommen als Landwirt auf begrenzter Fläche natürlich nicht möglich. Das heißt für mich war es die Aufgabe, eine Möglichkeit zu suchen in der Landwirtschaft Fuß zu fassen, ohne mit klassischer Milchviehhaltung anzufangen. Die allererste Idee war eigentlich Milch Direktvermarktung zu machen, da sich das für meinen elterlichen Hof anbietet als Milchviehbetrieb. Aber von Haus zu Haus zu fahren nur mit Milch ist eigentlich ein bisschen unspannend. Da war das naheliegendste das zu ergänzen mit weitern Produkten. So haben wir dann selbst die Demeter-Eier mit rein gebracht. Und nachdem man nicht alles selbst machen kann, ergänzten wir die Produktpalette und nahmen Produkte von anderen Landwirten aus der Region mit hinein. Darauf gekommen bin ich auf der Landesgartenschau in München. Dort haben wir einen Öko-Kisten-Betrieb kennengelernt und der hat uns sein Konzept ein bisschen vorgestellt. „Öko-Kiste“ ist ein Verein, zu dem wir uns dann auch angeschlossen haben und wo wir von den Kollegen sehr viel Input bekamen, wie man so etwas am besten anfängt. Das hat uns geholfen, Fehler zu vermeiden.

Das heißt, du hattest da jemanden, an dem du dich etwas orientieren konntest und der dich auch teilweise an die Hand genommen hat. Und nachdem du dann relativ schnell begonnen hast dein Sortiment aufzustocken mit anderen Lieferanten, hast auch du wiederum andere an die Hand genommen und mitgenommen. Wie einfach war es für dich andere Betriebe zu finden, die Produkte in der Qualität liefern konnten, die du deinen Endkonsumenten weiterverkaufen wolltest?

Hans Lecker: Da ist jetzt auch wieder das Netzwerk der Ökomodellregion spannend. Das Ziel der Öko-Modellregion ist u.a. den Bio-Anteil in der Region zu fördern. Dementsprechend gibt es Listen der Biobetriebe und daran konnten wir uns orientieren und gezielt auf einzelne Betriebe zugehen und sie fragen, ob sie Kapazität haben, noch mehr zu machen, sodass wir das mitverkaufen können. So hat sich das Netzwerk dann peu à peu erweitert.

Wenn ich dich jetzt noch bitten würde, dass du mir aus deinem großen Netzwerk jemanden empfiehlst, von dem du sagst „da lohnt es sich, auch noch mal hinzufahren, um mit demjenigen / derjenigen zu sprechen“ – wer wäre das?

Fällt dir da spontan jemand ein?

Hans Lecker: Viele [lacht]. Alle Betriebe, die wir haben sind spannend! Jeder hat so „sein Produkt“, für das er oder sie der Profi ist. Es gäbe zum Beispiel den Bio Bauernmarkt Aglassing, das ist eine Kooperation von zwei Betrieben. Der eine macht Mutterkuhhaltung und hat eine eigene Hofmetzgerei und bietet Fleisch- und Milchprodukte an. Der andere ist der „Spitzauer“, von dem wir das Gemüse bekommen und der beim Bio Bauernmakt Agassing die Obst- und Gemüseabteilung mit versorgt. Aber es gibt noch ganz viele andere, die z.B. Sonnenblumenöl oder Leinöl herstellen oder auch eine kleine Sirupmanufaktur in Tittmoning. Es gibt so viele spannende Betriebe.

Ich weiß, du hast natürlich einige Leute / eine sehr lange Liste, die man da abarbeiten könnte. Ich glaube, ich werde mit dem erstgenannten beginnen.